Großes Interesse an Fachtagung zu Heimrichtlinien

Seit Oktober letzten Jahres müssen sogenannte freiheitsentziehende Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen von Familiengerichten genehmigt werden. Auch wurden in Bayern neue Heimrichtlinien erlassen. Wie wirkt sich das auf die Praxis aus? Darüber diskutierten gut 90 Fachleute auf einer Tagung der Lebenshilfe Bayern mit Gästen vom Sozialministerium, von den Regierungen und Bezirken sowie mit einem Familienrichter.

Freuten sich über das große Interesse (von links nach rechts): Brigitte Schindler, Barbara Dengler, Harald Hechler, Nikolaus Stuewer, Susanne Fritz, Ministerialrätin Dorothee Zwintz und Kirsten Simon. (Foto: Anita Sajer)

Über die wichtigsten Änderungen in den neuen "Richtlinien für Heilpädagogische Tagesstätten, Heime und sonstige Einrichtungen für Kinder und Jugendliche und junge Volljährige mit Behinderung", informierte Ministerialrätin Dorothee Zwintz vom bayerischen Sozialministerium zu Beginn der Tagung. Die Richtlinien wurden zum 1. Juli 2017 erlassen. In ihnen wird nun zum Beispiel festgelegt, dass Einrichtungen in ihren fachlichen Konzeptionen unter anderem beschreiben müssen, wie sie mit freiheitsentziehenden Maßnahmen und Time-Out-Maßnahmen umgehen. In ihrem Vortrag betonte Zwintz auch, dass sie unabhängig von der Diskussion über freiheitsentziehende Maßnahmen davon überzeugt sei, dass in den Einrichtungen der Behindertenhilfe grundsätzlich gute fachliche Arbeit geleistet werde.

Wie entscheidend die persönliche Haltung von Fachkräften zu freiheitsentziehenden Maßnahmen für eine gute Arbeit vor Ort ist, betonte Nikolaus Stuewer von der Heimaufsicht der Regierung Niederbayern. Er riet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Lebenshilfe-Tagung, diese immer wieder zu hinterfragen und in ihrem Team zu diskutieren. Stuewer ist Mitglied einer bayernweiten Arbeitsgruppe (AG), die bis Sommer bzw. Herbst 2018 "fachliche Empfehlungen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen" vorlegen will. In der AG sind das Sozialministerium, die Regierungen und Bezirke sowie die Wohlfahrtsverbände vertreten. Für die Lebenshilfe Bayern sitzt Wohnreferentin Barbara Dengler in der AG.

Bernhard Böhm, Leiter der Familienabteilung am Amtsgericht Würzburg, erläuterte, was das "Gesetz zur Einführung eines familiengerichtlichen Genehmigungsvorbehaltes für freiheitsentziehende Maßnahmen bei Kindern" für die Arbeit in den Einrichtungen bedeutet. Das Gesetz wurde im Juli 2017 vom Bundestag verabschiedet und trat zum 1. Oktober 2017 in Kraft. Familienrichter Böhm informierte auch darüber, welche Maßnahmen überhaupt genehmigungspflichtig sind und welche nicht.

Susanne Fritz von der Heimaufsicht der Regierung Mittelfranken gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung eine Empfehlung dazu an die Hand, was in einer fachlichen Konzeption für Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen alles stehen sollte. Die Sicht der Leistungsträger brachte wiederum Harald Hechler, Leiter Arbeitsbereich Entgeltangelegenheiten vom Bezirk Mittelfranken, ein.

Der Fachtag "Neue Heimrichtlinien – Prävention von und Umgang mit Freiheitsentziehenden Maßnahmen – Konsequenzen für die Praxis" wurde von den Fachreferentinnen Barbara Dengler (Wohnen) und Brigitte Schindler (Schulen und Tagesstätten) durchgeführt. Gemeinsam mit Kirsten Simon, Vorstandsmitglied der Lebenshilfe Bayern, freuten sie sich über das große Interesse.

Eine Dokumentation zur Fachtagung gibt es demnächst im »Online-Mitgliederbereich.