Schutz und Teilhabe in Corona-Zeiten

"Schutz vor Corona und selbstbestimmte Teilhabe. Das ist und bleibt eine Gratwanderung für alle, die Menschen mit Behinderungen durchs Leben begleiten." Darauf weist Landesgeschäftsführer, Dr. Jürgen Auer, zum Jahreswechsel in einem Gastkommentar in der "Mittelbayerischen Zeitung" hin.

Dr. Jürgen Auer plädiert für Schutz und Teilhabe (Foto: LH Bayern / Jens Wegener)

Dr. Jürgen Auer plädiert für Schutz und Teilhabe (Foto: LH Bayern / Jens Wegener)

Menschen mit Behinderungen in Wohneinrichtungen zählen aus Sicht des Infektionsschutzes zur Gruppe der verletzlichen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ihnen soll deshalb auch ein besonderer Schutz vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zuteilwerden. Allerdings geht das in der Praxis dann einher mit einer deutlichen Einschränkung ihrer bisher schon nicht allzu ausgeprägten Möglichkeit zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft, an sozialen und kulturellen Aktivitäten, am Sport in der Gruppe und am Freizeitangebot in ihrem Umfeld.

Aus Angst vor Infektionen erlassen die Betreiber von Wohneinrichtungen häufig noch zusätzliche Betretungsverbote oder / und Besuchseinschränkungen, mit den Folgen noch größerer Abschottung, Isolation und manchmal auch Vereinsamung. Und neben den Heimbewohnerinnen und -bewohnern trifft es deren Angehörige gleich mit.

Wir als Gesellschaft geraten dadurch in ein Dilemma. Einerseits wollen wir natürlich alles tun, um Ansteckungen zu vermeiden und stellen den Infektionsschutz an oberste Stelle. Andererseits ist der eigentliche Auftrag etwa der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen, diesen eine möglichst umfassende Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und eine weitreichende Selbstbestimmung zu ermöglichen.

Menschen mit Behinderungen leiden besonders unter der jetzigen Situation und sind bzw. werden in doppelter Weise behindert. Wer die Abwägung zwischen Schutz und Isolation einerseits und Teilhabe, Freiheit, Mobilität und Treffen von Freunden und Verwandten andererseits für einen Einzelnen oder für eine ganze Gruppe vorzunehmen hat, dem wird eine hohe Verantwortung auferlegt.

Fatalerweise gibt es kein Patentrezept, keine Pauschallösung und kein eindeutiges Richtig oder Falsch in dieser Situation. Umso mehr gilt es, sich an der Regel zu orientieren: Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Gut, dass es nun während der Covid-19-Pandemie engagierte Angehörige, kreatives Personal, aufmerksame Bewohnerräte und vielerorts auch bürgerschaftliche Initiativen gibt, die anpacken, helfen und unterstützen, zum Beispiel Nachbarschaftshilfevereine. Herzlichen Dank an alle, die sich zurzeit ganz besonders um ihre Mitmenschen sorgen und kümmern, gleich ob sie in Heimen oder allein zu Hause wohnen!

Gastkommentar in der "Mittelbayerischen Zeitung"

Die sogenannte Außenansicht unseres Landesgeschäftführers soll am 17. Dezember 2020 in der gedruckten Ausgabe der "Mittelbayerischen Zeitung" erscheinen. Online finden Sie aktuelle Außenansichten bzw. Meinungen in der Regel hier.


Infos in aller Kürze

Ihr Kontakt

Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung - Landesverband Bayern
Geschäftsstelle
Kitzinger Str. 6
91056 Erlangen
Telefon: 0 91 31 - 7 54 61-0
Telefax: 0 91 31 - 7 54 61-90
info@lebenshilfe-bayern.de