Stamm: "Den Opfern die Ehre geben"

"Dass wir Zukunft nur gewinnen können, wenn wir dem Vergangenen aufrichtig begegnen und den Opfern die Ehre geben", so die Landesvorsitzende der Lebenshilfe Bayern, Barbara Stamm, zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

Barbara Stamm bei der Gedenkfeier in Würzburg (Bildarchiv Bayerischer Landtag, Foto: Rolf Poss)

Barbara Stamm bei der Gedenkfeier in Würzburg (Bildarchiv Bayerischer Landtag, Foto: Rolf Poss)

Gedenkfeier in Würzburg

Die Worte stammen aus dem Friedensgebet, das die ehemalige Landtagspräsidentin bei der diesjährigen bayerischen Gedenkfeier sprach. Diese fand am "DenkOrt Deportationen" in Würzburg statt. Eingeladen hatten Landtagspräsidentin Ilse Aigner und der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller. Es sprachen außerdem der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, sowie der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, Christian Schuchardt. Corona-bedingt wurde die Gedenkfeier am 25. Januar 2021 in kleinem Rahmen abgehalten. Weitere Infos gibt es hier.

Gedenktag am 27. Januar

Vor 76 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit. Heute wird jedes Jahr an diesem Tag aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Lebenshilfe erinnert besonders an die etwa 300.000 kranken und behinderten Menschen, die damals in ganz Europa ermordet wurden. Sie galten als "Ballastexistenzen", als "Volksschädlinge" und wurden als "lebensunwert" systematisch aussortiert. Die Lebenshilfe setzt sich daher seit ihrer Gründung vor mehr als 60 Jahren für eine inklusive Gesellschaft ein, die Menschen mit Behinderungen und anderen Minderheiten uneingeschränkte Teilhabe garantiert.

Gleiches Recht zu leben

So erklärt Sebastian Urbanski, Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe und Selbstvertreter mit Down-Syndrom, zum Gedenktag: "Es ist furchtbar, was damals passiert ist. Menschen, die nicht in das Bild der Nazis vom gesunden Deutschen passten, wurden kaltblütig ermordet. Auch ich wäre umgebracht worden. Nur weil ich eine Behinderung habe. Deshalb ist es ganz wichtig, dass heute niemand ausgegrenzt werden darf. Keiner ist was Besseres. Alle haben das gleiche Recht zu leben!“ Der Berliner Sebastian Urbanski gehört seit Ende 2018 dem Bundesvorstand der Lebenshilfe an. Der 42-jährige Schauspieler hatte 2017 am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus als erster Mensch mit Down-Syndrom zum Deutschen Bundestag gesprochen. Weitere Infos gibt es hier.

Gedenkfeier in Berlin

Corona-bedingt kann die Gedenkfeier an der T4-Gedenkstätte in Berlin dieses Jahr nicht stattfinden. An dieser nimmt üblicherweise auch die Lebenshilfe teil. Wie der Bundes-Behinderten-Beauftragte, Jürgen Dusel, mitteilte, wird er stattdessen dort alleine in stillem Gedenken an die Opfer der "Euthanasie"-Verbrechen im Nationalsozialismus einen Kranz niederlegen. Zudem soll es am 27. Januar 2021 ab 19 Uhr eine Gedenk-Veranstaltung im Livestream geben - gemeinsam mit Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags und dem Pianisten Igor Levit. Weitere Infos gibt es hier.